Käthe Heisterbergk

Käthe Heisterbergk

Am 1. September 1928 wird Frau Käthe Heisterbergk Direktorin der Anna-Schmidt-Schule, nachdem sie aus Buenos Aires, wo sie die deutsche Schule gegründet und geleitet hatte, nach Hamburg zurückgekehrt war.

 

In Hamburg geboren, hatte Frau Heisterbergk in Paris und in Oxford studiert und promoviert und später zusätzlich in Deutschland die Examina in alten Sprachen abgelegt. 1929 wird das Lyzeum Anna Schmidt zum humanistischen Gymnasium ausgebaut. Neben dem Lessing-Gymnasium wird von nun ab an dieser Schule Griechisch und Latein gelehrt, und im Jahre 1935 erfolgt die staatliche Anerkennung als einzige gymnasiale Studienanstalt für Mädchen in Hessen-Nassau, nachdem die ersten Anna-Schmidt-Schülerinnen das Abitur bestanden haben.

 

Dass Frau Heisterbergk als Direktorin Anregungen sucht und mit einer in der damaligen Zeit beachtlichen Vorurteilslosigkeit verwertet, zeigt eine Reise nach Paris 1933, von der sie die Erkenntnis mitbringt, man könne von den französischen Schulen viel lernen, insbesondere was die Freiheit der Konversation betreffe.

 

Ab 1933 steht die Schule als private Einrichtung im Übrigen aber zunehmend unter politischem Druck, sei es, dass die Räumlichkeiten beanstandet werden oder die Schule in finanzielle Schwierigkeiten gerät; schließlich setzt eine starke Abwanderung von Schülerinnen ein, die auf die politischen Verhältnisse in Deutschland zurückzuführen ist. Da die Schule ohne jeden staatlichen Zuschuss arbeiten muss, gelingt es nur durch Spenden der Elternschaft, den Unterricht aufrechtzuerhalten.

 

Frau Heisterbergk sieht aber auch, dass Eltern zunehmende Schwierigkeiten haben, ihren Kindern den Besuch eines Landheimes zu ermöglichen. In ihren Aufzeichnungen hat sie notiert: „Die Zahl mehrt sich, die solche Auslagen nicht aufbringen können. Das Lyzeum steht leider immer noch in dem Ruf, nur von Schülerinnen aus begüterten Kreisen besucht zu werden. Seit Übernahme des Direktorats war es mein Bestreben, diesem Ruf entgegenzuarbeiten. Der Besuch des Landheimes gibt ein beredtes Zeugnis für die falsche Annahme über unsere Schülerinnen. Verwöhnt sind durchschnittlich unsere Kinder wirklich nicht. Wenn man sieht, mit welchem Appetit und welcher Freude die Kinder die ganz einfache Kost im Landhaus verzehren und den sehr primitiven Aufenthalt aus vollen Zügen genießen, so ist jede weitere Beteuerung überflüssig.“

 

1934 führen Anna-Schmidt-Schülerinnen zum ersten Mal ihre Schulfahne vor: ein schwarzes Tuch mit weißer Eule. Als Sinnbild der humanistischen Anstalt hatte man den Vogel der Pallas Athene gewählt. Auf Sport- und Schulveranstaltungen wird jetzt auch eine Schultracht getragen, bestehend aus blauem Rock, weißer Bluse und einem blau-weißen Schlips mit einer kleinen silbernen Eule.

 

Die folgenden Jahre übersteht die Schule durch Standhaftigkeit und Geschick ihrer Direktorin, bis in den 40er Jahren ein hohes Maß an Opferbereitschaft nicht nur von ihr, sondern auch vom gesamten Kollegium gefordert wird. Die Räume am Blittersdorffplatz werden bei einem Luftangriff zerstört, der Unterricht wird in Privatzimmern der Lehrer fortgesetzt, die weit auseinander liegen: in der Mendelssohnstraße, Feldbergstraße, Landgraf Wilhelm Straße. Die Schulspeisung wird in der Moselstraße verteilt.

 

Die Fellnerstraße wird von der Luftwaffe beschlagnahmt, aber durch persönlichen Einsatz bei den damaligen Machthabern gelingt es Frau Heisterbergk zu bewirken, dass das Schulgebäude wieder geräumt wird. Schließlich wird im Schloß Laubach eine Unterkunft für 100 Schülerinnen gefunden, während eine andere Gruppe in Oberursel weiter unterrichtet wird. Wieder folgt eine Beschlagnahme, diesmal für die Gießener Universitätsklinik, die nach Laubach verlegt wird jedoch Frau Heisterbergk findet einen neuen Aufenthaltsort für ihre Schule: die Glauburg in Nieder-Erlenbach. 1945 findet das schriftliche Abitur noch unter der Hitler-Diktatur statt, das mündliche schon unter der amerikanischen Militärregierung, aber in den Räumen der Ziehenschule.

 

Frau Heisterbergk beginnt den Wiederaufbau in der Fellnerstraße, indem sie ihre persönlichen Auslandskontakte für Amerikapaketsendungen einsetzt, um ihr Lebenswerk – die private Mädchenschule – neu entstehen zu lassen. 1948 beendet ihr Tod ihr Engagement für unsere Schule, und Paul Scheid setzt ihre Arbeit fort.