„Was denkt ihr kostet ein Sklave?“; „Wie viele Sklaven schätzt ihr habt ihr?“ – diese Fragen lösten bei uns Schülerinnen und Schülern der Q3 erstmal Verwirrung aus. Die Zeit des Transatlantischen Sklavenhandels liegt doch lange zurück, und spätestens mit der UN-Resolution zum Sklavenhandel 1948 ist dieser doch offiziell abgeschafft worden?
Doch mit der Wahrheit, welche Manchen von uns schon graute, wurden wir schnell konfrontiert: Sklaverei existiert bis heute, und das in einem unvorstellbaren Ausmaß, und es benötigt eben solche ungemütlichen Fragen, um ihr entgegenzuwirken. Das ist es, was sich die IJM (International Justice Mission) zur Aufgabe gemacht hat – als größte Menschenrechtsorganisation gegen moderne Sklaverei besteht eins ihrer Ziele darin, ein Bewusstsein für das Problem der modernen Sklaverei zu schaffen.
Um in den Workshop einzusteigen, spielten die IJM-Botschafterinnen einen Kurzfilm, welcher manchen Schülerinnen und Schülern aus dem Relikurs von Frau Born schon bekannt war. Er zeigt die Geschichte von Godson, Gideon und Foli, drei Kindern, welche wie viele andere auf dem Volta-Stausee in Ghana zu härtester Arbeit gezwungen wurden. Durch die Arbeit von IJM konnten sie aus der Sklaverei befreit werden und haben nun die Möglichkeit, ein menschenwürdiges Leben zu führen.
Doch, erklären uns die IJM-Mitarbeiter, es sind nicht nur Godson, Gideon und Foli, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. 50 Millionen Menschen leben heute in moderner Sklaverei, darunter fast ein Viertel Kinder, erklärt uns eine Botschafterin. Besonders erschütternd für sie sei gewesen, dass die Zahl der Sklavinnen und Sklaven im Laufe ihrer IJM-Laufbahn zugenommen hat.
Anhand einer Landkarte zeigten uns die Mitarbeiter, in welchen Ländern und Berufsfeldern Sklaverei besonders ausgeprägt war. Während Teile Asiens, Afrikas und des Nahen Ostens dominierten, wurde uns erklärt, dass Sklaven oft näher sind als wir denken. Denn diese werden nicht nur in Arbeitslagern, Fabriken und der Landwirtschaft ausgebeutet, sondern werden auch oft zu Prostitution und Sexarbeit gezwungen. Besonders aus Osteuropa werden viele Frauen unter falschen Vorwänden in die Zwangsprostitution gedrängt und landen teilweise auch im Frankfurter Bahnhofsviertel – nur ca. 15 Minuten von unserer Schule entfernt.
Im weiteren Verlauf wurden wir darüber aufgeklärt, wie IJM jene Probleme bekämpft. Dabei hat die Organisation Standorte überall auf der Welt und fokussiert sich auf drei Hauptpfeiler: Die Opfer von Sklaverei zu befreien, die Täter dahinter zu verurteilen und die Rechtssysteme betroffener Länder zu stärken.
Alle drei Schritte sind dabei zentral für den Kampf gegen moderne Sklaverei: In Kooperation mit örtlichen Behörden gelingt es IJM, Menschen und Kinder wie Godson und Foli zu retten und gleichzeitig Täter zu bestrafen. Dies sei wichtig, so eine IJM-Botschafterin, um ein Zeichen zu setzen und andere Sklavenhändler abzuschrecken.
Meiner Meinung nach ist jedoch der größte Punkt der Arbeit von IJM die Stärkung lokaler Rechtssysteme. Durch diesen Schritt wird dem Sklavenhandel am besten vorgebeugt, ohne ihn können kriminelle Organisationen sich immer wieder neu formieren und mit ihren Verbrechen fortfahren.
Durch den Vortrag der International Justice Mission sind uns Schülerinnen und Schülern zwei Tatsachen besonders hängengeblieben.
Zum einen, dass wir in einer unglaublich privilegierten Welt leben mit dem bedingungslosen Zugang zu Bildung, Nahrung und dem Schutz unserer Freiheit. Gleichzeitig die Konfrontation mit der Realität, dass extreme Missstände wie Sklaverei teilweise nur Blocks von uns entfernt immer noch existieren.
Zum anderen, dass wir aufgrund genau dieser Privilegiertheit eine Verantwortung gegenüber Menschen wie Godson haben, Menschen, die genau dieselben Privilegien verdienen wie wir. Nur durch die Hilfe von uns, von Menschen, die die Ressourcen haben zu helfen, können sie das Leben leben, das ihnen zusteht.
Julius Müller



