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Frau mit Mikrofon hält ein Dokument hoch.

Zeitzeugengespräch mit Annette Evans

Gymnasien
Wie war das Leben als junger Mensch in der DDR?

Am 1. Juni 2026 trafen sich die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen zu einem besonderen Zeitzeugengespräch mit Annette Evans. In einer offenen und persönlichen Atmosphäre vermittelte Frau Evans einen anschaulichen und lebendigen Eindruck vom Leben als junge Erwachsene in der SED-Diktatur. Sie berichtete von ihrer Kindheit und Jugend in Jena (Thüringen), wo sie die ersten 23 Jahre ihres Lebens verbrachte – bis zur friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer im Jahr 1989. Danach verließ sie ihre Heimat, um Europa kennenzulernen.

Frau Evans schilderte eindrücklich, wie es für sie war, in einer Gesellschaft aufzuwachsen, in der Zugehörigkeit, Anpassung und Kontrolle den Alltag bestimmten. Als Tochter von Akademikern und als getaufte Christin war sie besonderen Einschränkungen ausgesetzt. Beide Merkmale führten in der DDR oft zu Misstrauen und Benachteiligungen. Sie erzählte von den ständigen Abwägungen kleiner und großer Entscheidungen: dem Bedürfnis, sich anzupassen, um Repressionen zu vermeiden, gegenüber dem Willen, demokratische Werte und persönliche Überzeugungen zu verteidigen.

Das Gespräch wurde durch persönliche Texte und Gedichte ergänzt, die Frau Evans in ihrer Jugend verfasst hatte. Diese Gedichte vermittelten einen unmittelbaren Eindruck von den damaligen Gefühlen und Eindrücken. Es wurden mehrere Auszüge aus ihren Schriften sowie Originaldokumente aus der Zeit gezeigt und erläutert. Durch die Kombination aus persönlichem Bericht, literarischen Fragmenten und authentischen Quellen erhielten die Schülerinnen und Schüler einen konkreten Zugang zur Alltagsgeschichte der DDR.

Das Zeitzeugengespräch zielte nicht nur darauf ab, Fakten zu vermitteln, sondern vor allem, Empathie und Verständnis zu wecken. Wie fühlt es sich an, mit Einschränkungen zu leben? Welche alltäglichen Entscheidungen werden dadurch beeinflusst? Welche Bedeutung haben Erinnerungen und Dokumente für das kollektive Gedächtnis? Die Schülerinnen und Schüler verließen die Veranstaltung mit einem konkreteren Bild der DDR-Alltagsrealität und dem Wissen, dass Freiheit und demokratische Werte nicht selbstverständlich sind, sondern dass man sich an sie erinnern und sie verteidigen muss.

Wir danken Annette Evans herzlich für ihren persönlichen Bericht und ihre Bereitschaft, ihre Texte und Erinnerungen mit jungen Menschen zu teilen. Der Austausch hat Geschichte greifbar gemacht und zum Nachdenken angeregt – über Vergangenheit, Gegenwart und die Verantwortung jedes Einzelnen für Demokratie und Menschlichkeit.

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