Abhaya Student Shelter – ein Kinderheim für Mädchen im Süden Indiens

Gymnasien, UNESCO
Zwei ehemalige „Bufdis“ stellen das Projekt in Nieder-Erlenbach vor

Am Montag, den 22.04.2024 erhielt die Anna-Schmidt-Schule in Nieder-Erlenbach Besuch von zwei jungen Frauen, Lotta Jost und Lena Drescher. Sie waren von August 2022 bis März 2023 als sogenannte „Bufdis“ (Bundesfreiwilligendienst) in Indien im Abhaya Student Shelter, einem Kinderheim für Mädchen aus prekären Familienverhältnissen. Das Kinderheim liegt in der Nähe von Coimbatore im Süden Indiens im Bundesstaat Tamil Nadu. Das Abhaya Student Shelter wird seit dem Jahr 2023 von den Schülerinnen und Schülern am Standort Nieder-Erlenbach durch ein Spendenprojekt im Rahmen der UNESCO-Arbeit finanziell unterstützt.

Lotta und Lena waren insgesamt 5 Stunden bei uns an der Schule. Sie berichteten allen 5. Klassen für jeweils eine Stunde von ihren Erfahrungen in Indien im Allgemeinen, aber auch über ihre Arbeit im Kinderheim. Eine Stunde war für alle Klassensprecher und -sprecherinnen bestimmt und zum Abschluss hatte die Schülerzeitung noch Gelegenheit, ein Interview zu führen. Insgesamt kam die Veranstaltung bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an und die beiden haben viele neue Einblicke in die indische Kultur ermöglicht.

So begann die jeweilige Veranstaltung schon damit, dass Jungen und Mädchen sich im Klassenraum getrennt hinsetzen sollten und dies zudem auf den Boden, wie es in Indien bis zur 7. Klasse üblich ist. Zu erfahren, dass die Trennung der Geschlechter tief verwurzelt ist in der Kultur und auch in den Bussen von Paaren eingehalten wird, war für die Schüler und Schülerinnen befremdlich. Auch, dass kein großer Wert auf die Schulbildung von Mädchen gelegt wird, da diese sowieso später heiraten würden, stimmte manchen nachdenklich. Es machte aber auch für alle deutlich, wie wichtig ein Kinderheim wie das Abhaya Student Shelter, das nur Mädchen aufnimmt, ist, um gerade Mädchen aus prekären Verhältnissen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Lena und Lotta versuchten auch klarzustellen, dass man sich in die Menschen vor Ort hineinversetzen müsse und manches, was für uns unverständlich oder schlimm erscheint, dort aber durchaus normal ist. So schlafen die Kinder im Kinderheim lieber alle zusammen auf Bambusmatratzen im Wohnzimmer des Hauses als alleine in ihren Betten in den Schlafräumen. Auch, dass man ohne Besteck isst und dies auch immer nur mit der rechten Hand, da die linke als unrein gilt, war für die Zuhörerschaft befremdlich.

Mancher fragte sich allerdings auch, ob die Mädchen wirklich glücklich sind, da im Kinderheim strikte Regeln herrschen: 6:00 Aufstehen, 6:15 Uhr Yoga, 8:00 – 16:00 Uhr (ab der 10. Klasse bis 19:00 Uhr) Schule, nach der Schule direkt Hausaufgaben machen und keine Möglichkeit mehr, das Gelände des Kinderheims zu verlassen, da es draußen zu unsicher für die Mädchen ist. Handys haben die Mädchen ebenfalls nicht und mit ihren Eltern dürfen sie nur 1x in der Woche telefonieren. Zu Bett gehen die Kinder spät. Andere hatten aber auch Respekt vor den Mädchen, dass sie dies alles aushalten. Die Freiwilligen versicherten aber nach all diesen, aus deutscher Sicht unschönen Informationen, dass sie mit den Mädchen gespielt oder gemalt sowie einige wichtige Hygieneworkshops durchgeführt hätten. Auch Ausflüge und das Feiern von Festen stand auf dem Programm. Ein sehr wichtiger Punkt war, dass die Freiwilligen den Mädchen das Fahrradfahren beigebracht haben. Auf allen gezeigten Fotos freuen sich die Mädchen. Das bleibt in Erinnerung und auch, dass in Indien alles bunt, voll und laut ist, dass Coimbatore mit über 2 Mio. Einwohnern als ländlich zählt, dass Wege von 3 km über eine Stunde mit dem Bus dauern, dass in der Schule auch Ziegen herumlaufen können, dass man lieber auf dem Boden sitzt als an einem Tisch u.v.m.

Zum Abschluss der Stunden wurde ein Memory gespielt. Zu finden waren keine identischen Bilder, sondern Dingen aus Indien mussten das richtige deutsche Pendant zugeordnet werden.

Es ist wohl allen klar geworden, wie gut es uns geht und dass die Spendengelder sinnvoll sind. Lotta und Lena hatten dies aus Sicht der Schülerinnen und Schüler sehr gut erklärt sowie einen Einblick in die indische Kultur gegeben. Vielleicht wagt ja eines Tages einer der Schülerinnen und Schüler den Schritt selbst, einen „Bufdi“ in einem Entwicklungsland abzuleisten.

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